Juli 1872 Es finden erstmals in St. Johann auf Einladung des von der Eisenbahnwerkstatt entlassenen Schreiners Ernst Zimmermann die Versammlungen im Baldesschen Saal der Gaststätte der Bierbrauerei Gebrüder Baldes in der Ufergasse, einer Seitenstraße der Bahnhofstraße, statt. Als Redner in den Versammlungen am 7. und am 14. Juli sowie am 4. August 1872 des Sozialdemokratischen Vereins traten die Mainzer SDAP-Agitatoren Anton Zirfas und Josef Leyendecker auf.

1876 Bildung eines Sozialdemokratischen Vereins in St. Johann unter dem Vorsitz von Ernst Zimmermann. Viele Mitglieder sind Bauhandwerker oder Werkstättenarbeiter. Carl Rudolf Hackenberger und Harry Kaulitz betätigen sich als Sozialdemokratische Agitatoren

1878 bis 1890 Es folgte eine Phase der Verhaftungen und der Unterdrückung sozialdemokratischer Aktionen.

Mai 1890 Der Arbeiter- und Rechtsschutzverein für St. Johann, Saarbrücken und Umgebung wird gegründet. Vorsitzender ist der Maurerpolier Michael Roll.

Mai 1898 Ein Sozialdemokratischer Wahlverein für das Saarrevier unter dem Vorsitz des St. Johanner Tischlers Bruno Behr entsteht. Versammlungslokal ist die Wirtschaft Roth in der Victoriastraße.

1902 Es existiert eine Parteigruppe in St. Johann unter dem Vorsitzenden Nikolaus Osterroth. Als Veranstaltungssäle dienen der Kaisersaal in der Hafenstraße und das Tivoli in der Gerberstraße.

1919 In der Zeitung wird über eine Mitgliederversammlung der Sozialdemokratischen Partei Saarbrücken 3 (St. Johann) im Krokodil in der Dudweilerstraße berichtet.

1923 Es erfolgt der Zusammenschluss mit der USPD zur Sozialdemokratischen Partei (VSPD).

Zwischen den beiden Weltkriegen nahm die sozialdemokratische Bewegung eine Aufwärtsentwicklung. Der von Neuss nach St. Johann zugezogene Max Braun wurde in den 20er und 30er Jahren zur bestimmenden Gestalt der SPD an der Saar. Als überzeugter Europäer und Antifaschist versuchte er, den Anschluss an Hitlerdeutschland zu verhindern.

1935 bis 1945 Nach der Saarabstimmung 1935 wurde die SPD verboten. Max Braun und viele weitere SozialdemokratInnen verließen das Land, um ihre antifaschistische Arbeit im Exil fortzusetzen. Viele GenossInnen, die vor Ort im Untergrund weiter agitierten wurden verhaftet und von den Nazis in Konzentrationslager verbracht oder getötet.

Frühjahr 1946 Neugründung des Ortsvereins St. Johann der Sozialdemokratischen Partei des Saarlandes (SPS)

1955 Der Ortsverein St. Johann der Deutschen Sozialdemokratischen Partei (DSP) wird gegründet. Vorsitzender ist Heinrich Backes. Die DSP lehnt im Gegensatz zur SPS das Saarstatut ab.

1956 Nach der Saaabstimmung erfolgte der Zusammenschluss von SPS und DSP zur SPD. Versammlungslokale waren damals das Gasthaus Zahm in der Saarstraße und der Johannishof in der Mainzerstraße.

1963 Die SPD St. Johann hat 364 Mitglieder.

1966 Die AsF St. Johann entsteht.

1972 Die Mitgliederzahl hat sich auf 729 verdoppelt. Es entstehen die vier Wohnbezirksgruppen (WBG): Am Homburg, Mitte, Ost und Rotenbühl. Die Vorstandssitzungen werden für parteiöffentlich erklärt.

1988 Die SPD St. Johann hat 1.000 Mitglieder. Die „Rote Lyra“, der Arbeiterlieder-Chor der SPD St. Johann wird unter der Leitung von Klaus John und Gerhard Kneip gegründet.

1996 Einzug des SPD-/Jusoladens in die Rotenbergstr. 25 im Nauwieser Viertel.

2012 Am 20. September feiert die SPD St. Johann ihr 140-jähriges Bestehen mit einer Großveranstaltung auf dem St. Johanner Markt. Prominente Redner sind der Bundesvorsitzende Sigmar Gabriel und der Landesvorsitzende Heiko Maas.

2016 Fusion des SPD-Ortsvereins Eschberg mit St. Johann.

2017 Elke Ferner beendet ihre politische Karriere nach 27 Jahren im Deutschen Bundestag. Ihre Nachfolgerin Josephine Ortleb schafft es bei der Bundestagswahl den Wahlkreis Saarbrücken für die SPD direkt zu gewinnen. Zuletzt gelang dies Elke Ferner bei der Wahl 2005.

2018 Elke Ferner wird auf dem Neujahrsempfang mit der Willy-Brandt-Medaille für ihre Verdienste um die Gleichstellung der Frau und ihren stetigen Einsatz für ihren Wahlkreis Saarbrücken geehrt.

(Zusammengestellt durch Thomas Kruse aus: 120 Jahre SPD St. Johann. Eine Chronik durch bewegte Jahre und aus Recherchen von Rudi Strumm und Joachim Heinz. Ergänzt von Sascha Haas.)